#08 Bruchlinien

Die verschiedenen Muster stehen nicht neutral nebeneinander, sondern können gegenseitig in Konflikt geraten. Besonders zeigt sich das beim Thema “Homosexualität”. Während das Schuld-Vergebung-Muster die zu vermeidenden Tatsünden betont, deutet das Angst-Schutz-Muster Homosexualität eher als Fremdeinwirkung, sexuelle Verwirrung oder Gebundenheit. Das Scham-Annahme-Muster – gerade auch in säkularer Gestalt – gerät mit diesen Auffassungen massiv in Konflikt.

#07 Aktualisierungen

Es scheint so, dass sich aufgrund der Digitalisierung untergründig eine neue Scham-Kultur herausbildet. Likes und Dislikes signalisieren, ob du cool bist und “dazu gehörst”. “Etwas zu posten” bedeutet, online “am Leben zu sein”. Neben allen positiven Effekten, die soziale Medien haben, können Menschen darüber aber auch gezielt bloßgestellt und blamiert werden. Das “Schuld-Vergebung”-Muster ist ungeeignet, um Opfer in ihrer Beschämung mit dem Evangelium zu erreichen.

#06 Für uns gestorben

Was meint “Christus ist für uns gestorben”? Was verbirgt sich hinter dem Symbol des Kreuzes? Auf Grundlage des Neuen Testaments haben sich seit dem 3. Jahrhundert drei große Deutungen herausgebildet: Die Stellvertretung als (1) Loskauf aus der Macht Satans, (2) Genugtuung gegenüber Gott (Satisfaktionslehre) und (3) als Straf-Übernahme der menschlichen Todesschuld. Könnte es sein, dass die gesellschaftlichen Verschiebungen auch zu einer Neuformulierungen der Kreuzestheologie führen müssten?

#05 Zusammenschau

Bevor es um einzelne Theologiefelder gehen soll, werden die “drei Gesichter” noch einmal in Kombination dargestellt. Je mehr wir die inneren Dynamiken verstehen, desto leichter fällt es, Ableitungen zu treffen. Manche Gemeindekonflikte werden dadurch verständlicher. Und auch die Geschichtlichkeit von theologischen Positionen wird erkennbar werden. Als Merkhilfe wird das Schuld-Vergebung-Muster mit einer Eins, das Angst-Schutz-Muster mit einer Zwei und das Scham-Annahme-Muster mit einer Drei in Verbindung gebracht.

#04 Scham-Annahme

Beim “Scham-Annahme”-Muster befinden wir uns in einem kollektiven Kontext. Es geht um Ausgrenzungs- und Willkommensdynamiken. Von Jesus wird berichtet, wie viel Wert er darauf legte, gemeinsam mit Zöllnern und Sündern zu essen. Tischgemeinschaft war in orientalischen Kulturen der praktische Ausdruck von Annahme. Gnade erweist sich hierbei weniger in Vergebung von Einzeltaten, sondern in sozialer Reintegration. Wie würden christliche Gemeinden aussehen, wenn sie vorrangig Gottes Annahme widerspiegeln würden?

#03 Angst-Schutz

Das zweite Muster wird im Englischen mit den Begriffen “fear-power” charakterisiert. Es geht um das Gefühl der Bedrohung und um die Sehnsucht nach einer Schutzmacht, die mir hilft, das Leben zu meistern. In animistischen Kontexten haben wir es mit Talismanen, Flüchen, Ritualen und Zaubersprüchen zu tun. In der westlichen Welt wandelt sich dieses Muster zu einer Suche nach der beruflichen Erfolgsformel und einem rundum gesegneten Leben. Es ist eine eher erfahrungsorientierte Spiritualität.

#02 Schuld-Vergebung

Das Hauptmuster der christlichen Verkündigung ist von den Begriffen “Schuld-Vergebung” geprägt. Gott wird als oberster Gesetzgeber wahrgenommen und Sünde ist die Übertretung von Geboten. Die Begnadigung des sündigen Menschen geschieht durch das stellvertretende Opfer Christi. Für diese Sichtweise lassen sich viele Bibelstellen heranziehen. Um auch andere Varianten des Evangeliums zu verstehen, ist es zunächst wichtig, dieses erste Muster zu skizzieren.

#01 Einführung

Was ist das Gute an der Guten Nachricht? oder: Wenn wir es beim Evangelium von Jesus wirklich mit einer Guten Nachricht zu tun hätten, müsste diese dann nicht mehr Resonanz auslösen? In diesem Podcast werden wir uns mit Jahrhunderte alten theologischen Mustern beschäftigen. Die übliche Grundstruktur “Schuld-Vergebung” ist nicht die einzige Möglichkeit, die Geschichte von Jesus zu erzählen. Lass uns gemeinsam auf die Suche nach anderen Zugängen zur Kernbotschaft des christlichen Glaubens gehen.