Das Ziel der Liebe Gottes | 1. Joh. 4,7-21 (Teil 10)

Tobias Ennulat • 12 Juni 2018
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1Joh 4,7-21 Das Ziel der Liebe Gottes

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https://zellgemeinde-bremen.de/podcast/predigten/2018/06/12/das-ziel-der-liebe-gottes-1-johannesbrief-teil-10/

 

Bibeltext: 1.Joh 4,7-21

7 Ihr Lieben, wir wollen einander lieben, denn die Liebe kommt von Gott! Wer liebt, hat Gott zum Vater und kennt ihn. 8 Wer nicht liebt, hat Gott nicht erkannt; denn Gott ist Liebe. 9 Dadurch ist Gottes Liebe unter uns offenbar geworden, dass er seinen einzigen Sohn in die Welt sandte. Durch ihn wollte er uns das neue Leben schenken. 10 Das Einzigartige an dieser Liebe ist: Nicht wir haben Gott geliebt, sondern er hat uns geliebt. Er hat seinen Sohn gesandt, damit er durch seinen Tod Sühne leiste für unsere Schuld. 11 Ihr Lieben, wenn Gott uns so sehr geliebt hat, dann müssen auch wir einander lieben. 12 Niemand hat Gott je gesehen. Aber wenn wir einander lieben, lebt Gott in uns. Dann hat seine Liebe bei uns ihr Ziel erreicht. 13 Dass wir in Gott leben und er in uns, wissen wir, weil er uns Anteil an seinem Geist gegeben hat. 14 Wir haben es selbst gesehen und sind Zeugen dafür, dass der Vater seinen Sohn gesandt hat als den Retter der Welt. 15 Wer sich zu Jesus als dem Sohn Gottes bekennt, in dem lebt Gott und er lebt in Gott. 16 Wir jedenfalls haben erkannt und halten im Glauben daran fest, dass Gott uns liebt. Gott ist Liebe. Wer in der Liebe lebt, lebt in Gott und Gott lebt in ihm. 17 Auch darin hat die Liebe Gottes bei uns ihr Ziel erreicht, dass wir dem Tag des Gerichts voller Zuversicht entgegensehen; denn so wie Christus mit dem Vater verbunden ist, so sind ja auch wir es in dieser Welt. 18 Die Liebe kennt keine Angst. Wahre Liebe vertreibt die Angst. Wer Angst hat und vor der Strafe zittert, bei dem hat die Liebe ihr Ziel noch nicht erreicht. 19 Wir lieben, weil Gott uns zuerst geliebt hat. 20 Wenn jemand behauptet: »Ich liebe Gott«, und dabei seinen Bruder oder seine Schwester hasst, dann lügt er. Wenn er seine Glaubensgeschwister, die er sieht, nicht liebt, dann kann er Gott, den er nicht sieht, erst recht nicht lieben. 21 Gott gab uns dieses Gebot: Wer ihn liebt, muss auch seinen Bruder und seine Schwester lieben.

 

1) Indikativ I: Gott ist Liebe. (V.7 und 16)

Der Text lebt aus der Spannung zwischen zwei Indikativen (so ist es!) und einem Imperativ (so soll es bei euch sein!). Wir finden hier einige der großartigsten theologischen Spitzenaussagen des Neuen Testaments. Der Boden, auf dem eine von Liebe geprägte Gemeinschaft - und schließlich eine geheilte und gerechte Gesellschaft gedeiht - ist die unverrückbare und unauslöschbare Liebe Gottes zu jedem und jeder einzelnen Person. Nach Johannes besteht ein unlösbarer Zusammenhang zwischen der Erfahrung dieser Liebe Gottes und der Art wie Menschen sich untereinander behandeln.

Dass Gott die Menschen liebt, haben die meisten schon gehört. Dass er aber selbst Liebe ist, ist eine der tiefsten, weitesten und größten Wesensbeschreibungen Gottes. Massiver kann man es sprachlich nicht ausdrücken. Der Gott Abrahams, Isaaks und Jakobs, der Vater Jesu Christi - “Papa”-, ist in seiner innersten Essenz Liebe. 

 

2) Indikativ II: Er hat uns (zuerst) geliebt. (V.10 und 19)

Die Betonung der kostspieligen und opferbereiten Liebe Gottes in Christus ist Johannes besonders wichtig. In V.10 beschreibt er diesen großen Schritt der Hingabe an uns Menschen als “Sühneopfer für unsere Sünden”. Das ist schwer zu verstehen. Gottes Liebe ist teuer und ein großes Opfer, denn aufgrund dieser Liebe zu seinen Menschen ist er bis in den Tod gegangen. Seine Liebe zu uns hat ihn einen unfassbar hohen Preis gekostet. Doch dadurch werden wir als gerecht angesehen, weil er an unserer Stelle verurteilt wurde. Uns ist vergeben, weil Christus verlassen wurde. Wie kann es sein, “dass du - mein König - für mich starbst”? (Lied “Amazing Love”).

Die Hinzufügung des Wortes “zuerst” in V.19 bedeutet, dass Gott dich geliebt hat, bevor du etwas dafür oder dagegen tun konntest. Und dass es auch jetzt so bleibt ohne dass du etwas dafür oder dagegen tun kannst. Es bedeutet auch, dass die Intensität seiner Liebe zu dir nicht schwankt, abhängig von deinem Gutes tun oder den schlechten Momenten im Alltäglichen.

Wir lesen hier von einer unverdienbaren und nicht rückgängig zu machenden göttlichen Liebe. Sie zieht uns in ihren Bann. Wer vom Geschehen am Kreuz und der Auferweckung Jesu berührt wird, erfährt Befreiung von Verurteilung und ein erneuertes Leben.

Johannes hat die “Ist-heiten” überdeutlich ausgesprochen und wir tun gut daran, unseren Blick schwerpunktmäßig auf diese kostbaren biblischen Wahrheiten zu richten.

 

3) Imperativ: Lasst uns (wir wollen) einander lieben! (V.7 und 11)

Gottes Liebe wirkt sich in uns in der Form aus, dass die Angst nicht zu genügen oder Gott nicht zufrieden zu stellen, beseitigt ist (V.18). Und sie soll und wird sich auf die Art auswirken, wie wir andere Menschen sehen und behandeln. Eine geheilte und gerechte Gesellschaft ist möglich. Dahin strebt Gottes Liebe mit uns.

Die Liebe Gottes hat somit ein Ziel. Sie wird dann bei uns (unter uns) vollendet, wenn die große Vision von der “Beloved Community” (Martin Luther King) Realität wird. Eine Gemeinschaft, eine Gesellschaft, in der niemand auf Kosten anderer lebt, niemand niedergedrückt wird, weil jemand anderes mehr hat oder gilt. Wo jede und jeder eine Stimme hat. Wo jede und jeder in gleicher Weise teilhat am Leben.

Es gilt historisch als ziemlich gesichert, dass dies einer der Hauptgründe war, weshalb das Christentum sich in den ersten drei Jahrhunderten so stark im gesamten Römischen Reich ausgebreitet hat. Sklaven und Herren, Männer und Frauen, Juden und Griechen, Arme und Reiche, verschiedene Volksgruppen und Sprachen bildeten eine radikal inklusive Gemeinschaft um das Bekenntnis zu Jesus herum. Die frühe Gemeinde hatte durch ihre radikale Inklusivität in Kombination mit dem Christusbekenntnis eine starke Anziehungskraft, obwohl die Voraussetzungen für ein Wachstum eher ungünstig waren.

 

Anwendung und Fragen für Zellgruppen:

> Wie wirkt die Wesensbeschreibung Gottes “Gott ist Liebe” auf dich? Was löst sie in dir aus?

> Es ist eine Lebensberufung immer mehr zu erkennen und auszuloten wie Gott ist und was er in Christus für uns getan hat. Wie kann das bei uns am besten geschehen?

> Welche besonderen Momente kommen dir in deiner Lebensbiographie diesbezüglich in Erinnerung?

> Ein Akronym hilft mir in dieser Woche einen Schritt in die Richtung “einander lieben” zu gehen:

  • W ahrnehmen
  • A nnehmen
  • E rmutigen
  • B eten

Vielleicht ist das eine Idee, bei der du mitmachst…. oder du hast eine andere Idee der Umsetzung :).

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