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https://zellgemeinde-bremen.de/podcast/predigten/2020/09/13/fingerprints-of-fire-teil-1-identitaet/
 

Gedankengang der Predigt

Wir hinterlassen überall unsere Fingerabdrücke. Sie sind Ausdruck unserer Identität.

Wenn es um Identität geht, neigen wir dazu, auf uns selbst und auch auf andere Labels zu legen:

  • evangelikal oder liberal?
  • gläubig getauft oder "nur" säuglingsgetauft"?
  • wiedergeboren oder auch geisterfüllt?
  • bibeltreu oder charismatisch oder beides?


Die Gefahr von Labels
Labels können für eine erste Orientierung hilfreich sein. Sie sind aber nicht unsere innerste Identität. Wenn wir andere Menschen auf Labels festlegen, werden Labels zu einer unsichtbaren Trennwand und belasten die Beziehung.

Die Leitfrage lautet: ""Ich bin Franka, warum muss ich noch etwas anderes sein?"


Der Gottes-"Name" als Anti-Name
2.Mo.3,14 (NeG): Da sagte Gott zu Mose: "Ich bin der, als der ich mich erweisen werde. Sag den Israeliten: 'Der Ich-bin hat mich zu euch geschickt.'"

Möglicherweise ist der Name "Ich bin, der ich bin." eine Art Verweigerung. Es ist ein Nicht-Name und bedeutet: Gott ist anders. Er ist einzigartig. Das ist mit Heiligkeit gemeint.

Der Rabbiner Baruch Rabinowitz schreibt in der Jüdischen Allgemeinen von der Heiligkeit Gottes als Energie der Liebe.

"Es steht geschrieben: Heilig sollt ihr sein, denn heilig bin ich, der Ewiger euer Gott. Ein unkonkreteres Gebot kann man sich wohl kaum vorstellen. Wie sollen wir wie jemand sein, wenn wir uns doch von ihm kein Bild machen dürfen, keine feste Vorstellung davon, wer, wie und was Gott ist? Und wenn wir nicht wissen, was die Heiligkeit Gottes bedeutet, wie können wir sie imitieren und damit das Gebot erfüllen?

Das Wort für Heiligkeit auf Hebräisch ist »Kadosch«. Es bedeutet »zu unterscheiden« oder einfach »anders« zu sein. Heiligkeit ist interaktiv. Wir werden heilig, damit wir unsere Welt heiligen. Sie dient keinem Selbstzweck, sondern fließt, um alles lebendig und heilig zu machen.

Im Begriff »Heiligkeit« liegt auf den ersten Blick ein Widerspruch: sich zu trennen, um vereint zu sein. Um heilig zu leben, brauchen wir keine Hilfe von außen, keine Gegenstände oder Rituale. Es geht darum, sich zu öffnen, um das, womit man in Berührung kommt, besonders zu machen.

Im Judentum steht Heiligkeit im Gegenteil zur Askese. Sie ist nicht statisch oder dogmatisch, sondern beweglich und frei. Im Unterschied zum christlichen Verständnis von Heiligkeit, die oft mit Reliquien verbunden ist, die die Menschen beeinflussen können, geht man im Judentum davon aus, dass es der Mensch ist, der mit seiner Energie und seinem Geist alles, womit er in Verbindung kommt, beeinflusst.

Heilig zu sein, ist aktiv. Es kommt aus der Tiefe der menschlichen Seele, die den Mut hat, die Besonderheiten anderer anzuerkennen und sie zu bewundern. Den Mut, mehr zu wagen. Eine solche Seele ist fähig, andere zu respektieren, sie ist groß genug, um im Herzen einen besonderen Platz für die anderen zu schaffen – an dem sie sich besonders fühlen können und dadurch geheiligt werden. Heilig zu leben, bedeutet, alles um sich herum besonders zu machen. Es ist die Fähigkeit, sich zu begeistern und staunen zu können, zu lieben und geliebt zu werden."

Rabbi Baruch Rabinowitz 26.04.2007
https://www.juedische-allgemeine.de/allgemein/die-energie-der-liebe/


Jesus verweigert sich Titeln
Etwas Ähnliches beobachten wir bei Jesus. Er verweigert sich Titeln und sprengt die Erwartungen an einen "richtigen" Messias. Besonders kann man das bei der Fußwaschung beobachten (Joh.13).
 

Was heißt "Christus ähnlicher werden"?
Paulus schreibt in Eph.4,15:

"Lasst uns aber wahrhaftig sein in der Liebe und wachsen in allen Stücken zu dem hin, der das Haupt ist, Christus."

Bedeutet die Ähnlichkeit mit Jesus Christus, dass wir kleine geklonte Jesusse werden?
 

Der einzig wahre Weinstock
Jesus spricht von sich als den einzig wahren Weinstock (Joh.15). Er wird für dich zum "wahren Weinstock", d.h. er verbindet dich mit der Lebensenergie Gottes.

Noch weiter übertragen. Es geht darum, zur bestmöglichen Version unserer selbst zu werden. Der sogenannte "Alte Mensch" ist nicht eine substanzielle Identität, die durch die Bekehrung und Hinwendung zu Christus "ausgetauscht" wird. Das "Alte" ist vielmehr eine Ego-Krümmung, die unsere Ebenbildlichkeit Gottes überlagert. Die Befreiungskraft des Christus-Geistes holt uns auf dieser uns zum Tode krümmenden Überlagerung.
 

Zum Symbol des Feuers
Feuer steht für: Reinheit, Heiligkeit, Leidenschaft, Energie, ein aufrichtendes Gericht und für Gottes Liebe.

Eine abschließende Anekdote: Abba Lot ging zu Abba Joseph und sagte zu ihm: 
Abba, so weit es mir möglich ist, spreche ich meine tägliche Liturgie, ich faste ein wenig, ich bete und meditiere, ich lebe in Frieden und so weit es mir möglich ist, reinige ich meine Gedanken. Was kann ich sonst noch tun?"
Dann stand der alte Mann auf und streckte seine Hände zum Himmel. Seine Finger wurden wie zehn Feuerlampen, und er sagte zu ihm: "Wenn du willst, kannst du ganz Flamme werden."

 

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