Prophetisch reden | Betendes Hören

Tobias • 24 Februar 2020

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Bibeltext: 

1Kor 14
1 Das soll also euer Ziel sein: ein Leben, das von der Liebe bestimmt wird. Bemüht euch aber auch um die Fähigkeiten, die uns durch Gottes Geist gegeben werden, und wenn ich das sage, denke ich vor allem an die Gabe des prophetischen Redens. ...
3 Wenn jemand eine prophetische Botschaft verkündet, richten sich seine Worte an die Menschen; was er sagt, bringt ihnen Hilfe, Ermutigung und Trost.

1Kor 14,29-32
Und wie steht es mit dem prophetischen Reden? Von denen, die diese Gabe haben, sollen ebenfalls nur zwei oder drei das Wort ergreifen; die anderen Gläubigen sollen das Gesagte beurteilen. Und wenn, während jemand eine prophetische Botschaft verkündet, einem, der dabeisitzt und zuhört, von Gott etwas offenbart wird, soll der Redende seinen Beitrag beenden, um den Betreffenden zu Wort kommen zu lassen. Auf diese Weise hat – ohne dass mehrere gleichzeitig reden – jeder von euch die Möglichkeit, eine prophetische Botschaft weiterzugeben, sodass dann alle etwas lernen und alle ermutigt werden. Propheten stehen schließlich nicht unter dem Zwang, reden zu müssen, wenn sie eine prophetische Botschaft empfangen.

1Thess 5
19 Legt dem Wirken des Heiligen Geistes nichts in den Weg!  20 Geht nicht geringschätzig über prophetische Aussagen hinweg, 21 sondern prüft alles. Was gut ist, das nehmt an. 22 Aber was böse ist, darauf lasst euch nicht ein, in welcher Gestalt auch immer es an euch herantritt.

 

Predigt:

Die Texte des Paulus zeigen:

  • Kirche sah in der ersten Zeit anders aus als vielfach heute. 
  • Das kreative charismatische Element war normal. 
  • Prophetische Eingebungen hatten offenbar Raum. 
  • Sie waren nicht begrenzt auf bestimmte Personen. 
  • Und es gab keinen Zwang sie zu glauben. 
  • Die Aussagen sollten kritisch überprüft werden.
  • Sie schließen keinen Reflexionsprozess oder nüchterne Abwägung aus.

Prophetisches Reden oder anders - Betendes Hören - bedeutet zu beten und dabei auf Gottes Reden zu achten. Man betet und macht sich offen für das, was Gott dazu sagt. Wir können fragen: "Jesus, wie siehst du dies oder das? Was denkst du über...? In welchem Licht siehst du diese Person?"

a) In Bezug auf mich selbst und meine nächsten Menschen 

b) in Bezug auf andere - wenn ich an andere denke

c) in Bezug auf die Welt - wie leben und beten wir in Richtung sozialer Gerechtigkeit und Frieden?

Die Herausforderung besteht darin Gottes Stimme zu unterscheiden von den eigenen Gedanken. Doch es ist gut sich diesbezüglich zu entspannen, denn Gottes Stimme ist unserer eigenen am ähnlichsten. Sein Geist wohnt schließlich in uns. Es stimmt: Wir können uns einbilden, dass Gott zu uns redet. Und die psychiatrischen Kliniken sind voll von Personen, die meinen "Gott hat zu mir gesprochen". Die Gefährdung ist real. Und die prophetische Stimme kann Menschen unmündig machen und manipulativ wirken. Daher ist es wichtig alles zu überprüfen und zu beurteilen, was so geäußert wird.

Jede/r kann sich mal vertun und das macht auch gar nichts. Denn anders als im Alten, hat die prophetische Äußerung im Neuen Testament nicht dieselbe Autorität und denselben Anspruch. Alles soll und darf geprüft werden.

Doch das kann uns auch blockieren. Genauso stimmt es nämlich, dass wir uns einbilden können, dass Gott nicht zu uns redet. Unsere Gedanken, Sätze, die wir hören, und inneren Bilder sind eben nicht immer nur die Verlängerung eigener Wünsche und Gedanken. Sie können tatsächlich einen Trost, eine Hilfe, eine Ermutigung und eine Neuausrichtung von Gott beinhalten. 

Doch die Sorge vor Irrlehre und das noch nicht vollständig verbreitete Neue Testament veranlasste die frühe Kirche schon bald dazu, die prophetischen Äußerungen, die ursprünglich gängig waren, stärker zu reglementieren. Die prophetische Rede, das betende Hören aller (siehe die Bibeltexte oben) wurden umgewandelt in ein Amt. Das sieht man an einer Belehrung der Kirche namens "Didache" um etwa 100 n.Chr. Dort heißt es:

"Wählet euch Bischöfe und Diakone, würdig des Herrn, Männer voll Milde und frei von Geldgier, voll Wahrheitsliebe, erprobte; denn sie sind es, die für euch versehen den (heiligen) Dienst der Propheten und Lehrer." Didache (ca. 100 n.Chr.) 15,1 

Prophetie wandelte sich zunehmend zur belehrenden Auslegung von Bibeltexten. Wir sehen, dass aus Sorge vor Falschmeldungen die prophetische Stimme eingedämmt wurde und stattdessen Bischöfe und Diakone diesen Dienst qua Amt versehen sollten. In unserer sehr kritischen und skeptischen Zeit sind auch wir geschult darin, alles kritisch zu beurteilen. Erst recht, wenn eine Botschaft mit göttlichem Anspruch geäußert wird. Und das ist richtig und wichtig so. Doch gleichzeitig fordert Paulus dazu heraus, die Äußerungen des Geistes in unserem Inneren nicht gering zu schätzen (1Thess 5,20). Denn die biblische Prophetie wird nicht durch ein Amt bestimmt, sondern durch das gehörte und gesprochene Reden Gottes. 

Daher ist es eine gute Übung einmal umgekehrt davon auszugehen, dass der Gedanke, das innere Bild, das wir im Gebet sehen oder hören, auch wenn es nur schwach ist, von Gott kommt und uns etwas zeigen möchte. Warum auch nicht? Warum nicht einmal die Impulse festhalten, aufschreiben und ihnen nachgehen? Warum nicht den gegenwärtigen Jesus fragen, was er damit zeigen, sagen möchte?

So wie wir die Stimme eines Freundes, einer Freundin, immer besser erkennen, selbst im Getümmel von vielen Menschen, lernen wir auch die Stimme Gottes immer besser zu identifizieren. Übung hilft. Die Gruppe hilft. Und der Abgleich mit den biblischen Texten. 

Das heißt: Sei und bleib offen für Gottes Reden zu dir im Jetzt. Predigten können wir vorbereiten. Was Gott aktuell und direkt sagt, wenn er etwas sagt, nicht. Das macht es zum Teil spannend und auch überraschend. Wenn wir merken, dass z.B. jemand ein Bild im Gebet gesehen, einen Satz gehört oder ein Bibelwort empfangen hat. Dann ist es gut dies mitzuteilen, damit es andere ermutigt, tröstet und aufbaut. Das ist großartig und verleiht einer Gemeinschaft eine spirituelle Tiefe und Energie. Wir brauchen die prophetische Stimme und sollten die Scheu verlieren. Es wird Zeit, dass wir Gottes Stimme hören und mit ihr andere aufbauen, sie ermutigen und Trost spenden.

 

Fragen / Übung:

  • Anhand welcher Kriterien würdest du in deiner Zellgruppe oder mit Freunden einen spirituellen Impuls, den jemand weitergibt, überprüfen?
  • Hast du erfahren, dass Gott zu dir redet, dir ein inneres Bild zeigt oder eine Erinnerung wach ruft, die dich ermutigt und weiterbringt? Wenn ja, teile sie den anderen mit, wenn du möchtest. Es könnte die Gruppe geistlich aufbauen. 
  • Nimm dir / nehmt euch Zeit für das betende Hören. Wenn du willst, frage Jesus direkt, was er dir oder euch zeigen möchte. Schreib es auf, halte es fest, frage weiter, was es bedeutet, tausche dich aus mit den anderen und setze das Gehörte in die Tat um.

 

Tobi's Playlist zum betenden Hören:

https://open.spotify.com/playlist/793ksOHuCnoAR8ZBYMUKjI?si=MeyR2aEESU6…

 

 

Hintergrundbild: jeremy-yap-eCEj-BR91xQ-unsplash

Fotos der Präsentation von unsplash.com

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