Mein Advent - Stille Nacht...?! | Mein Himmelslied

Tobias • 17 Dezember 2019
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https://zellgemeinde-bremen.de/podcast/predigten/2019/12/17/mein-advent…

 

Text:

Lukas 2

13 Plötzlich waren sie von ganzen Heerscharen des Himmels umgeben, die alle Gott lobten und riefen: 14 "Ehre und Herrlichkeit Gott in der Höhe / und Frieden den Menschen im Land, / auf denen sein Gefallen ruht.“

20 Die Hirten gingen dann wieder zu ihren Herden zurück. Sie priesen und lobten Gott für alles, was sie gehört und gesehen hatten. Es war genauso gewesen, wie der Engel es ihnen gesagt hatte.

Lukas 24

52 Die Jünger warfen sich vor ihm nieder. Und dann kehrten sie mit großer Freude nach Jerusalem zurück. 53 Von da an waren sie ständig im Tempel und priesen Gott.

Apostelgeschichte 2

47 Sie lobten Gott und waren im ganzen Volk angesehen. Täglich fügte der Herr solche, die gerettet wurden, ihrer Gemeinschaft hinzu.

 

Predigt:

Alltägliche Erfahrungen von Schönheit können für uns Menschen zum Sprungbrett der Anbetung werden. So z.B. ein Anblick in der Natur, ein Klang, den wir gehört oder eine Begegnung, die wir genossen haben. D.h. das Himmelslied, das in uns schlummert, ein Lob, ein Dank, eine Anbetung des Schöpfers, wird freigelegt und wir feiern das Leben. Es gibt eine Sehnsucht nach dem Göttlichen in uns Menschen, so die These. Erkennbar ist das unter anderem an der aktuellen Ausstellung in der Bremer Kunsthalle "Ikonen - Was wir Menschen anbeten".

Auch Lukas beschreibt in seinem Evangelium und dem Fortsetzungsband, der Apostelgeschichte, dass es in unserem Leben um die Freilegung des ewigen Liedes in uns geht. Dass es darum Geht unseren Schöpfer in seiner Schönheit und Großartigkeit zu loben und zu preisen. Denn dazu sind wir hier. Dazu scheint Lukas auch seine Schilderungen aufgeschrieben zu haben, denn das Lukasevangelium beginnt und endet mit Anbetung. Es ist gut, wenn wir Menschen uns des eigenen Himmelsliedes in uns bewusst werden, uns dem Schöpfer zuwenden und ihn anbeten. Ob mit oder ohne Lieder.

Wichtig zu sehen ist, dass Anbetung uns aufrichtet, weitet und ent-engt. Sie ist kein religiöser Zwang oder eine Form des Gebets, die uns kleinmacht und beengt. Die Hirten fanden das Kind so vor, wie es angekündigt worden war. Und das löste Dankbarkeit und Lob Gottes in ihnen aus. Anbetung ist ein Gegengewicht, eine Antwort auf die Enge und Angst der Hirten. Damit bekommt unser Himmelslied eine Protestnote. Wir widerstehen destruktiven Kräften, die uns selbst oder andere Menschen abwerten wollen. Vielmehr machen wir uns eins vor Gott und stellen uns gegen Tendenzen der Erniedrigung oder Verachtung von Menschengruppen und auch gegen die Vorrangstellung bestimmter Personen oder Nationen (z.B. der Deutschen).

Alle kulturell vielfältigen Völker sind im Lob Gottes vereint und im Blick. Die politische Komponente des "Friedens im Land" ist die andere Seite der Anbetung, die in unserer momentanen gesellschaftlichen Entwicklung deutlich betont werden sollte. Damit befreien wir die "Stille Nacht" aus ihrem heimeligen und biedermeierhaften Korsett. Das Lied entfaltet seine eigentliche widerständige Energie. Ursprünglich gehörten sechs Strophen dazu. Eine von ihnen lautet:

Stille Nacht! Heilige Nacht! / Wo sich heut alle Macht / Väterlicher Liebe ergoss / Und als Bruder huldvoll umschloss / Jesus die Völker der Welt

In der Benennung der "Völker der Welt" zeigt sich die politische Komponente der Anbetung. Niemand ist ausgeschlossen von der freundlichen Zuwendung des Schöpfers in Jesus. D.h. sogar die Feinde sind einbezogen. Das ist eine echte Schalom- / eine Friedensbotschaft, die nicht nur im Inneren stattfindet. Und die war von den Autoren Joseph Mohr und Franz Xaver Gruber 1818 bei der Uraufführung dieses berühmtesten aller Weihnachtslieder auch bewusst beabsichtigt. Denn die Menschen waren arm und kriegsgebeutelt. Auch die Wirkungsgeschichte des Liedes zeigt das. Schließlich spielte es eine Schlüsselrolle im "Weihnachtsfrieden" von 1914, in dem die Kriegsparteien den Schießbefehl ignorierten und einige Tage lang in Frieden auf dem Schlachtfeld zusammenlebten und gemeinsam dieses Himmelslied sangen. 

Die Freilegung des Himmelsliedes in uns, die Anbetung des Schöpfers, richtet uns auf, weitet unseren Blick und eng-engt uns auf der einen Seite. Auf der anderen Seite geht sie einher mit praktischen Friedensaktivitäten, so dass wir dankbar leben und gleichzeitig aktive Schritte gehen in Richtung zum Frieden unter den Völkern im Land. 

 

Fragen:

  • Was ist das Schönste, das dir in letzter Zeit passiert ist? 
  • Wenn wir den Schöpfer anbeten und loben, dann ent-engt uns das, wir werden aufgerichtet und innerlich geweitet. An welcher Stelle hast du das erlebt?
  • Ein ewiges Lied klingt in unserem Inneren, es gibt eine Sehnsucht nach dem Göttlichen in jedem Menschen - könntest du dieser These zustimmen? Warum (nicht)?
  • Vielleicht habt ihr als Gruppe Lust Eigenschaften Gottes von A - Z aufzuzählen, alles was euch einfällt und ihn auf diese Weise anzubeten. Denn mal los :)

 

 

Quellen:

https://www.kunsthalle-bremen.de

https://de.wikipedia.org/wiki/Stille_Nacht,_heilige_Nacht

https://inews.co.uk/culture/music/silent-night-christmas-carol-song-ger…