Leben fördern und feiern - Du sollst nicht töten Ex 20,13

Tobias Ennulat • 26 Februar 2019
0 Kommentare
0 likes
62 views

Anhören:

https://zellgemeinde-bremen.de/podcast/predigten/2019/02/26/leben-foerd…

Predigt:

Du sollst nicht töten. (Ex / 2Mo 20,13; Dtn / 5Mo 5,17) 

Matthäus 5 (GNB)

21 »Ihr wisst, dass unseren Vorfahren gesagt worden ist: ›Du sollst nicht morden! Wer einen Mord begeht, soll vor Gericht gestellt werden.‹ 22 Ich aber sage euch: Schon wer auf seinen Bruder oder seine Schwester zornig ist, gehört vor Gericht. Wer zu seinem Bruder oder seiner Schwester sagt: ›Du Idiot‹, gehört vor das oberste Gericht. Und wer zu seinem Bruder oder seiner Schwester sagt: ›Geh zum Teufel‹, gehört ins Feuer der Hölle. 23 Wenn du zum Altar gehst, um Gott deine Gabe zu bringen, und dort fällt dir ein, dass dein Bruder oder deine Schwester etwas gegen dich hat, 24 dann lass deine Gabe vor dem Altar liegen, geh zuerst hin und söhne dich aus. Danach komm und bring Gott dein Opfer. 

Im Gegensatz zu manchen Behauptungen ist das 6. Gebot nicht so einfach und eindeutig zu verstehen und auch nicht zu befolgen, wie man es vielleicht gerne hätte. Schon die verschiedenen deutschen Übersetzungen zeigen das. Die einen übersetzen mit "morden", die anderen mit "töten". Zu Recht gibt es beides, denn das hebräische Wort "razach" (wörtlich "in Stücke schlagen"), kann beides bedeuten. Der Begriff "morden" ist dabei eng gefasster. So wurde in der Kirchengeschichte begründet, dass die Todesstrafe und der sogenannte "gerechte Krieg" - d.h. unter bestimmten Voraussetzungen darf Krieg geführt werden - von diesem Gebot ausgenommen seien.

Auch die Hintergrundgeschichte im Buch Exodus zeigt die Komplexität dieser Weisung Gottes: Mose, der Empfänger dieser Worte, ist selbst einem Tötungsbefehl entkommen und hat nur dank der Heldentaten von zwei ägyptischen Hebammen und der Tochter des Pharao überlebt. Sie hatten sich gegen den Tötungsbefehl des Regimes gestellt und im Falle der Hebammen dies auch noch durch eine Lüge kaschiert. Die Komplexität dieses Gebots steigert sich, wenn man bedenkt, dass Mose schließlich selbst zu einem Mörder geworden ist und deshalb aus Ägypten fliehen musste.

Angesichts dieser Beobachtungen und wenn man dann noch die ethisch- moralischen Dilemmata unserer Zeit hinzunimmt (Abtreibung bei Gefährdung des Lebens der Mutter, Sterbehilfe am Ende des Lebens, Umgang mit den Tieren u.a.), verwundert es, dass Christen manchmal in ihrer politischen Rhetorik von einer schwarz-weiß-Eindeutigkeit reden, wenn es um dieses Gebot geht.

Die Richtung, in die uns der Satz bewegt, ist jedoch eindeutig. Er will uns sensibel für den Umgang mit unserem Leben, dem Leben anderer Menschen und Lebewesen machen. Er will uns in eine Friedensrichtung bewegen. Das Alte Testament wird bis zu Jesus in dieser Hinsicht immer eindeutiger. Die positive Aussage dieses Gebotes lautet: Leben ist heilig. Dein Leben ist heilig. Das Leben deines Mitmenschen ist heilig. Das Leben deines Feindes ist heilig. Die Heiligkeit des Lebens gilt es für uns anzuerkennen. Das Leben gilt es zu fördern und zu feiern, wo wir es vorfinden. 

Fragen für die Zellgruppen:

  • Welche ethischen Konfliktsituationen fallen dir ein, in denen es für dich oder jmd. anderes nicht einfach war eine gute und stimmige Entscheidung zu treffen?
  • Wann hast du selbst eine Vernichtungsdynamik erlebt, z.B. Rufmord o.ä.?
  • Wie ist deine Einstellung zum Umgang mit Tieren und Fleischkonsum? 
  • Wie positionierst du dich in Bezug auf die Friedensbewegung, die Ostermärsche und gewaltfreien Widerstand? Hast du Erfahrungen damit? 
  • Wie feierst und förderst du dein eigenes Leben?

Hinweis auf den Ostermarsch Bremen am Sa, 20. April 2019:

https://www.bremerfriedensforum.de/

 

 

Dateianhänge