Eltern ehren - wie geht das?

Tobias Ennulat • 13 Februar 2019
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https://zellgemeinde-bremen.de/podcast/predigten/2019/02/13/eltern-ehre…

Bibelstellen:

Exodus 20 (NBH)
12 Ehre deinen Vater und deine Mutter! Dann wirst du lange in dem Land leben, das Jahwe, dein Gott, dir gibt. 

Exodus 20 (BigS)
12 Respektiere und versorge deinen Vater und deine Mutter, dann wirst du lange auf dem Land leben, das Er, deine Gottheit, dir gibt. 

Epheser 6:2-3 (NBH)
"Ehre deinen Vater und deine Mutter" - so lautet das erste Gebot, dem eine Zusage folgt -, "damit es dir gut geht und du ein langes Leben auf der Erde hast."

Predigt:

Im Durchgang durch die sogenannten 10 Gebote - eigentlich "10 Worte für ein befreites Volk" - befinden wir uns bei dem Wort Nr. 5. Es ruft uns dazu auf die Eltern zu ehren. Dies ist ein sensibles Gebot, da es um die persönliche Familienherkunft geht. Und die meisten Verletzungen und Probleme, die wir ins Erwachsenenalter mitnehmen, stammen aus unseren Herkunftsfamilien. Das Wort berührt außerdem viele offene Fragen unseres Zusammenlebens, wie die nach der Versorgung der älteren Generation und der Vermeidung von Überforderung durch die Pflege bedürftiger Eltern.  

Doch unsere Wurzeln zu ehren, zu respektieren und ggfs. die eigenen älteren Eltern zu versorgen, ist immens wichtig für die Ausbildung einer gerechten Gesellschaft. Die afrikanischen und orientalischen Kulturen haben kaum Verständnis für das im Westen weit verbreitete Übergehen der eigenen und auch der biblischen Familienstammbäume, Genealogien und Namenslisten. Wir können von dieser Wertschätzung der Wurzeln und Namen im Allgemeinen und derjenigen, die in der Bibel zum Messias Jesus hinführen (vgl. Mt 1,1-14), viel lernen.

Leicht kann diese Weisung die Eltern zu ehren als religiöse oder moralische Keule für unkooperative Kinder verwendet werden um sie folgsamer zu machen. Leider wurde dieses Gebot tatsächlich auch so verwendet. In Wirklichkeit ist der Satz jedoch vor allem an Erwachsene gerichtet. Sie werden dazu angehalten, ihre älteren Eltern zu respektieren und zu versorgen. Wie selbstverständlich wird dieses Gebot, bzw. dieses Wort für eine befreite Gemeinschaft im Neuen Testament wiederholt und als wertvoller Beitrag für ein gerechtes Zusammenleben angesehen (vgl. Eph 6,2-3).

Im ursprünglichen Kontext musste dieses Gebot transformativ wirken, da es an eine Ex-Sklavengemeinschaft gerichtet war. D.h. die ersten HörerInnen waren es gewöhnt anzunehmen, dass sich der Wert eines Menschen lediglich nach seiner Produktionsleistung bemisst. Nun ging es jedoch darum eine andere Mentalität anzunehmen und Menschen zu respektieren und zu unterstützen, die einen geringen oder gar keinen produktiven Nutzen mehr für die Gesellschaft haben.

Diese Weisung ist somit ein wichtiger Beitrag für die Ausbildung einer "von Liebe geprägten Gesellschaft / beloved Community" (Dr. Martin Luther King). Ihre Beachtung könnte auch heilsam korrigierend in einer Gemeinschaft wirken, in der es Eltern von geflüchteten Menschen immer schwerer gemacht wird, ihnen nachzureisen. Und in der der Wert eines Menschen von seinem Produktionsnutzen, bzw. von dem Vorteil, den er dem Kollektiv bietet, bemessen wird. 

Fragen für die Zellgruppen:

  1. Wie kann ich Beziehungen zu Menschen pflegen, die einen geringen oder keinen produktiven Nutzen für andere (inkl. mir selbst) haben?
  2. Wie oft und wie kontaktiere ich meine älteren Eltern oder meine Großeltern um ihnen Wertschätzung und ggfs. praktische Unterstützung zu geben?
  3. Fällt es mir leicht Gott für meine älteren Eltern, bzw. Großeltern oder Vorfahren zu danken? Wenn ja, warum? Wenn nein, warum nicht?
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