Regen der Gerechtigkeit – oder: Sät gerechte Taten aus!

Jens Stangenberg • 4 Dezember 2018
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https://zellgemeinde-bremen.de/podcast/predigten/2018/12/02/regen-der-gerechtigkeit/

Predigt

Bibeltext

Sät gerechte Taten aus!
Erntet nach dem Maß der Liebe!
Nehmt Neuland unter den Pflug!
Es ist Zeit, Jahwe zu suchen, bis er kommt
und euch mit dem Regen der Gerechtigkeit segnet.

Hosea 10,12 (NeÜ)

Beobachtungen

  1. Biologische, landwirtschaftliche Bilder: säen, ernten, pflügen, Regen erwarten
  2. Die Kombination mit eher sachlichten Begriffen: Taten, Maß, Gerechtigkeit
  3. Die große Bedeutung des Wortfeldes: gerecht, Gerechtigkeit

Einzelhinweise

Sät gerechte Taten aus!

  • Das Bild vom Säen und Ernten betont eine Zeitverzögerung. Beim Säen lassen sich nicht sofort Ergebnisse erkennen. Es braucht Geduld. Ähnlich ist es, wenn wir in Menschen investieren.

Erntet nach dem Maß der Liebe!

  • Das "Maß der Liebe" deutet darauf hin, dass wir angemessene Erwartungen an andere haben. Ihr "Leben mit Liebe ansehen" bedeutet, sie nicht zu überfordern, aber auch nicht zu unterfordern. Beispiel: Von einem 4-Jährigen kann man nicht das Gleiche wie von einem 40-Jährigen erwarten.

Nehmt Neuland unter den Pflug!

  • Dies betont die Einsicht, dass ein Leben nur nach vorne gelebt werden kann. Jesus wies im Zusammenhang mit dem Reich Gottes darauf hin, dass, wer die Hand an den Pflug legt, nicht zurückschauen soll, um nicht schiefe Furchen zu ziehen.

Es ist Zeit, Jahwe zu suchen, bis er kommt

  • Im Neuen Testament wird gelehrt, dass der Heilige Geist in den Jesus Nachfolgern wohnt. Das ist eine großartige Wahrheit. Falsch verstanden führt sie aber zu geistlicher Trägheit. In dem Wissen, dass Gott "immer da" ist, lebt man dann nicht mehr in einer lebendigen Beziehung zu ihm. Besser ist es, sich regelmäßig Zeit zu reservieren, um bewusst den Heiligen Geist im eigenen Leben willkommen zu heißen und "auf Gott zu warten".

und euch mit dem Regen der Gerechtigkeit segnet.

  • Das ist eine wunderbare Verheißung. Wenn wir "gerechte Taten" säen und auf Gottes Wirken warten, wird er "Regen der Gerechtigkeit" senden.

Folgegedanken

Um die Formulierung "Regen der Gerechtigkeit" zu verstehen, muss man sich Folgendes klar machen: Es gibt zwei grundverschiedene Vorstellungen von "Gerechtigkeit". Unser römisch-lateinischer Kulturkreis ist eher von dem Bild einer "strafenden Gerechtigkeit" geprägt. Indem Gerechtigkeit ausgeführt wird, wird das Böse gestraft.

Ganz anders ist die Vorstellung von einer "aufrichtenden Gerechtigkeit". In diesem Bild ist die Gerechtigkeit wie eine Sonne, an der sich die Blüten von Blumen ausrichten. Das Licht der Sonne führt dazu, dass sich die Blumen aufrichten.

Ganz ähnlich wird prophetisch vom Messias gesprochen:

"Ein geknicktes Rohr wird er nicht zerbrechen, einen glimmenden Docht löscht er nicht aus. So verhilft er dem Recht zum Sieg." (Mt.12,30)

Dieser Vers aus dem Matthäusevangelium nimmt Bezug auf Jesaja 42,3. Offenbar ist Jesus mit der Atmosphäre einer "aufrichtenden Gerechtigkeit" aufgetreten. Ihm ging es darum, etwas Angebrochenes zu schienen, damit es heilen kann. Oder mit dem Wind des Geistes einen glimmenden Docht anzublasen, damit wieder eine Flamme hervorkommt. Genauso wird im Epheserbrief auch die Aufgabe des Fünffältigen Dienstes beschrieben.

Jetzt verstehen wir auch, was gerechte Taten sind. Antwort: Es sind aufrichtende Taten: Ein gutes Wort, ein ermutigender Blick, eine segnende Hand, letztendlich alles, was gekrümmte Seelen aufrichtet. Und während man solche "gerechten Taten" sät, sollte man nicht ungeduldig werden. Es braucht seine Zeit, bis gekrümmte Menschen sich aufrichten und ihre Persönlichkeit wächst.

Wenn wir das tun, verheißt Gott den "Regen der Gerechtigkeit". Es entsteht eine Kraftfeld des Aufrichtens und der Ermutigung, ein aufbauendes Klima.

 

Fragen für die Zellgruppen

  1. Welche von den verschiedenen Aussagen des Verses spricht dich am meisten an?
  2. Erinnere dich an eine Situation, in denen "eine gerechte Tat" in dich hineingesät wurden. Wie fühlte sich das ?
  3. Kennst du die Erfahrung, eine "gerechte Tat" an anderen zu tun? Welche Gestalt hatte die "gerechte Tat"? Was hast du getan?
  4. Bittet Gott um "Regen der Gerechtigkeit" und erwartet, dass er uns mit einem "aufbauenden Klima" in der Gemeinde segnet.