Die Linie überqueren - Spirituelle Transformation

Tobias • 18 November 2019
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Text:

Apostelgeschichte 11

19 Die Christen nun, die sich wegen der Verfolgung, die beim Tod des Stephanus entstanden war, von Jerusalem aus zerstreut hatten, kamen zum Teil bis nach Phönizien, Zypern und Antiochia. Die Botschaft gaben sie aber nur den Juden weiter. 20 Einige von ihnen – sie kamen ursprünglich von der Insel Zypern und aus der Gegend von Zyrene in Nordafrika – brachten auch den nichtjüdischen Einwohnern Antiochias die gute Botschaft von Jesus, dem Herrn. 21 Der Herr stand ihnen zur Seite und eine große Zahl von Nichtjuden glaubte ihrer Botschaft und bekehrte sich zum Herrn.

22 Auch die Gemeinde in Jerusalem hörte davon. Deshalb schickten sie Barnabas los, der durch alle Orte bis nach Antiochia reisen sollte. 23 Der war sehr glücklich, als er sah, was durch die Gnade Gottes entstanden war. Er machte allen Mut, dem Herrn mit ganzem Herzen treu zu bleiben. 24 Denn er war ein vortrefflicher Mann, erfüllt mit dem Heiligen Geist und festem Glauben. Viele Menschen kamen damals zum Glauben an den Herrn. 25 Barnabas reiste dann nach Tarsus, um Saulus zu suchen. 26 Als er ihn gefunden hatte, nahm er ihn mit nach Antiochia. Ein ganzes Jahr lang waren sie mit der Gemeinde zusammen und unterwiesen viele Menschen im Glauben. So kam es, dass die Jünger zuerst in Antiochia Christen genannt wurden. 

 

Predigt:

Wenn es um das Stichwort "Bekehrung" oder "Hinwendung zum christlichen Glauben" geht, dann packen wir damit ein heißes Eisen an. Viele Vorurteile und negative Assoziationen verbinden sich mit den Begriffen. Und das zu Recht. Denn oft wird ein einmaliges religiöses Erlebnis, ein Gebet oder ein Entschluss so überhöht, als ob daran ein ganzer Glaubensweg, die spirituelle Reise hinge. Doch spirituelle Transformationsprozesse - und nichts anderes verbirgt sich dahinter - sind ein Zeichen von Leben und Aufblühen. Es gibt "Kipppunkte" im Leben, die im Inneren etwas zum Kippen bringen, so dass etwas anders ist als vorher. Du könntest dir so oder ähnlich sagen: "Jetzt gehe ich mit Christus mit. Er hat wesentliche Bedeutung für mein Leben. Vorher war das anders."

In einer Untersuchung der Uni Greifswald aus dem Jahr 2009 haben sich vier Modi herausgebildet, die bezeichnen, wie Erwachsene zum Glauben finden:

  • Vergewisserung 
  • Entdeckung 
  • Lebenswende 
  • Weg mit Brüchen

Durch die Studie kam heraus, dass die wenigsten Menschen Glauben punktuell gewannen, sondern vielmehr ihr Leben mit Gott als Prozess erfahren. Dennoch gibt es auf dieser Lebensreise Momente, "Kipppunkte", Schritte über die Linie, nach denen etwas anders geworden ist. 

Ein Kollektiv in Antiochien ist so einen Schritt über die Linie des Christusglaubens gegangen. In dem Abschnitt erkennen das unbeteiligte andere Menschen in der Stadt (V.26). Sie sahen an dieser Gemeinschaft eine derartige Ausstrahlung, ein "christusmäßiges" Leben miteinander, dass sie dieser Gemeinschaft zum ersten Mal in der Menschheitsgeschichte den Namen "Christen" gaben. Sie hatten also irgendetwas an ihrem Leben, das an Christus erinnerte. Man hätte sie auch "Jesusianer" nennen können, ist aber vielleicht ganz gut so, dass man den Begriff "Christen" erfand. Als Jesusianer/in durch die Gegend zu laufen, wäre doch vielleicht etwas gewöhnungsbedürftig ;). 

Wie kam es dazu?

Die Christen in Antiochien hatten den absoluten "No-Go-Feind" - den Christusverfolger Paulus -, der bei der Steinigung von Stephanus billigend dabei stand (vgl. V.19) und vor dem alle Angst hatten, akzeptiert und angenommen. Und sie streckten sich aus nach nichtjüdischen Menschen (V.20), durchbrachen damit die übliche Filterblase. Damit überquerten sie eine "wir im Gegensatz zu den anderen"- Grenze und brachen ein Tabu. Normalerweise blieb man in seinem Milieu, wenn man Gespräche über den Glauben führte. Doch einige Jesusanhänger aus Antiochien hielten sich nicht an diese Regel. Als Barnabas aus Jerusalem kam und das sah, war er darüber sehr glücklich. Er freute sich, dass die Jesusleute so viel von Christus verstanden hatten, dass sie die "Wir-Ihr"- und die "Feind-Freund"- Spaltung - genau wie ihr Meister Christus - überwanden. Daher musste ein neuer Name erfunden werden. Ein neuer Begriff musste her, denn wer seine Feinde liebt und wer den "Anderen" mit guter Botschaft und guten Taten dient, ist so ähnlich wie Christus - also gab man ihnen den Namen "Christen".

 

Fragen:

  • Wie hast du (zuletzt) eine Veränderung hin zum Glauben erlebt? War es für dich eher eine Vergewisserung, Entdeckung, Lebenswende oder Reise mit Brüchen?
  • Wie hast du es erlebt, dass du auf deiner spirituellen Reise einen „Schritt über die Linie“ gegangen  bist?
  • Was steckt in einem Namen drin? Welche Bedeutung haben Namen? Würdest du dich mit dem Namen "Christ/in" identifizieren? Warum (nicht)?
  • Kennst du Beispiele, in denen einer Bewegung oder einzelnen Personen Namen gegeben wurden, die eigentlich abfällig gemeint waren, dann aber von den Namensträger/innen positiv aufgegriffen übernommen wurden?

 

 

zum Weiterdenken und Gucken: 

 

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