Speise, die vergeht und Speise, die bleibt | Johannes 6,25-38

Tobias Ennulat • 8 August 2018
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Speise, die vergeht und Speise, die bleibt

Johannes 6,25-38

Bibeltext

25 Als sie ihn am anderen Ufer des Sees fanden, fragten sie ihn: Rabbi, wann bist du hierhergekommen? 26 Jesus antwortete ihnen: Amen, amen, ich sage euch: Ihr sucht mich nicht, weil ihr Zeichen gesehen habt, sondern weil ihr von den Broten gegessen habt und satt geworden seid. 27 Müht euch nicht ab für die Speise, die verdirbt, sondern für die Speise, die für das ewige Leben bleibt und die der Menschensohn euch geben wird! Denn ihn hat Gott, der Vater, mit seinem Siegel beglaubigt. 28 Da fragten sie ihn: Was müssen wir tun, um die Werke Gottes zu vollbringen? 29 Jesus antwortete ihnen: Das ist das Werk Gottes, dass ihr an den glaubt, den er gesandt hat. 30 Sie sagten zu ihm: Welches Zeichen tust du denn, damit wir es sehen und dir glauben? Was für ein Werk tust du? 31 Unsere Väter haben das Manna in der Wüste gegessen, wie es in der Schrift heißt: Brot vom Himmel gab er ihnen zu essen. 32 Jesus sagte zu ihnen: Amen, amen, ich sage euch: Nicht Mose hat euch das Brot vom Himmel gegeben, sondern mein Vater gibt euch das wahre Brot vom Himmel. 33 Denn das Brot, das Gott gibt, kommt vom Himmel herab und gibt der Welt das Leben. 34 Da baten sie ihn: Herr, gib uns immer dieses Brot! 35 Jesus antwortete ihnen: Ich bin das Brot des Lebens; wer zu mir kommt, wird nie mehr hungern, und wer an mich glaubt, wird nie mehr Durst haben. 36 Aber ich habe euch gesagt: Ihr habt gesehen und doch glaubt ihr nicht. 37 Alles, was der Vater mir gibt, wird zu mir kommen, und wer zu mir kommt, den werde ich nicht abweisen;  38 denn ich bin nicht vom Himmel herabgekommen, um meinen Willen zu tun, sondern den Willen dessen, der mich gesandt hat. 

 

Erklärung 

Der amerikanische Psychologe Abraham Maslow sprach von einer Bedürfnispyramide des Menschen. Sie beschreibt menschliche Bedürfnisse und Motivationen in einer hierarchischen Struktur und versucht, diese zu erklären. Unten stehen die physiologichen Bedürfnisse und oben Sinnfragen, Selbstverwirklichung und Transzendenz. 

Damit bekommen wir es mit der Botschaft von Jesus zu tun. Er bezeichnet sich nicht als Teil dieser Pyramide oder als Erfüller einzelner Ebenen oder Bedürfnisse. Er weigert sich Teil unserer Bedürfnis- oder Prioritätentabelle zu sein.

Religion, Kirche und Glaube wird jedoch an vielen Stellen als Beruhigung für ein gestresstes Leben oder unerfüllte Sehnsüchte verstanden. Das zeigt sich z.B. in den großen Mengen an Selbsthilfebüchern, Wellness-, und Meditationsabteilungen. Darin wird aufgezeigt, wie man glücklicher oder zufriedener wird, seine Gesundheit besser erhält, abnimmt und innerlich ausgeglichener. 

Jesus weigert sich hier diesen Markt zu bedienen. Er tut dies auf schroffe Weise (V.26, 32, 36). Nach Johannes ist Jesus viel mehr als ein Bedürfnisstiller oder Lebensoptimierer. Er erhebt den Anspruch viel elementarer in seiner Bedeutung für uns Menschen zu sein. Ohne ihn gäbe es gar keine Bedürfnispyramide. Er ist kein Gegenstand, kein Erfüller und lässt sich überhaupt nicht in eine Prioritätenliste einordnen.

Besonders deutlich wird das, wenn wir das gänzlich andere Verständnis von Brot in der Antike im Vergleich zu heute betrachten. Das Ziel dieser Betrachtung ist eine gesunde Sicht von Jesus zu entwickeln und ihm als dem zu folgen, der er wirklich ist - unsere und die Quelle aller Wirklichkeit. 

Es ist wichtig für uns Jesus nicht verkürzt oder verkleinert zu betrachten und zu einem handzahmen Götzen verkommen zu lassen. Er ist immer größer als wir denken und größer als wir denken können. Es gilt ihn selbst zu suchen und ihm zu vertrauen als Lebensbrot unseres und allen Lebens. 

 

Zum tiefer Schürfen - der Hintergrund des Geschehens:

Drei Voraussetzungen dieser Geschichte:

  1. Eine völlig anderes Verständnis von Brot 
    • 85% des täglichen Einkommens und sehr viel Zeit verwendeten die meisten Menschen für die Erlangung / Herstellung von Brot
    • Fazit: Brot war ein elementares Lebensmittel, von dem buchstäblich das Leben abhing
    • man aß Gerstenbrot an drei Mahlzeiten und als Beilage wurden Gemüse und Wein verzehrt
    • 95% lebten vegetarisch, bzw. vegan, da auch Milchprodukte für viele unerschwinglich waren 
  2. Die Speisung der 5000
    • Jesus stellte Brot bereit bevor er sich selbst als Brot des Lebens bezeichnet, körperliche Bedürfnisse waren ihm nicht egal
    • die Menschen deuteten das Geschehen so, dass sie einen Wundertäter an ihrer Seite hatten, der ihnen auf einen Schlag 85% ihres Einkommens gegeben hatte und spekulierten darauf, dass er das nun auf Dauer tun könnte / würde (V.34)
    • Menschen wollen manchmal einen Gott, eine Erfahrung oder eine Lebenserfüllung, ohne ihn als ihre umfassende Lebensquelle anzuerkennen. Sie suchen einen gezähmten, dressierten Gott, der ihnen Gutes tut und Bedürfnisse stillt.
  3. Die alttestamentliche Versorgung mit Manna - jeden Tag 40 Jahre lang

Fazit: Gott gibt uns umfassendes Leben - inkl. unserer Bedürfnisse (nicht nur ihre Stillung). Er flößt uns sein Leben ein, weil Jesus das von ihm gesandtes “Manna” ist.

Darum ist es sinnvoll und gut zu ihm zu kommen (z.B. jetzt) und an ihn zu glauben. Sich eins zu machen mit ihm, ihn wie Brot in uns aufzunehmen, so dass wir Teil voneinander werden. 

 

Fragen:

> Was war meine langweiligste oder deprimierendste Erfahrung mit dem Abendmahl?

> Was war meine berührendste und gemeinschaftlichste Erfahrung mit dem Abendmahl?

> Was könnten wir aus den Unterschieden ableiten für unsere Abendmahls-, bzw. Zellgruppen- Essenspraxis?

> Wie könnten andere dazu integriert werden angesichts der großartigen Verheißung in V.37?

> Gibt es einen Schritt, den du, den ihr als Gruppe dafür bis zur nächsten Woche tun könnt / wollt?

 

Links:

https://de.wikipedia.org/wiki/Maslowsche_Bed%C3%BCrfnishierarchie

https://www.booklooker.de/B%C3%BCcher/Klaus-Berger+Manna-Mehl-und-Sauer…

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