Sabbat-Spiritualität, Teil I

Tobias Ennulat • 12 November 2018
0 Kommentare
0 likes
53 views

Anhören: https://zellgemeinde-bremen.de/podcast/predigten/2018/11/12/sabbat-spir…

Einstiegsfrage: Wie hast du den Sonntag / Ruhetag als Kind erlebt?

Text: 2.Mose 20 8

Denk an den Sabbattag und überlass ihn Gott! 9 Sechs Tage hast du, um all deine Arbeit zu tun, 10 aber der siebte Tag ist Sabbat für Jahwe, deinen Gott. An diesem Tag sollst du nicht arbeiten, weder du noch dein Sohn oder deine Tochter, weder dein Sklave noch deine Sklavin, nicht einmal dein Vieh oder der Fremde, der in deinem Ort wohnt. 11 Denn in sechs Tagen hat Jahwe den Himmel und die Erde gemacht, das Meer und alles, was dazugehört. Am siebten Tag aber ruhte er. Deshalb hat er den Sabbattag gesegnet und für sich bestimmt.

Anmerkungen:

Der Sabbat ist eine persönliche Hilfe in einem gesunden Rhythmus von "Hören" und "Tun" zu leben. Es tut gut, bewusst zu sein, achtsam zu leben und Pause zu machen. Der Sabbat ist dafür auserkoren. Seine Einrichtung ist ein Herzensmerkmal, ein Bundeszeichen im Judentum. Das Christentum hat diesen Sabbat übernommen und ihn in den Sonntag umgewandelt. Von daher stammt unsere staatliche Einrichtung eines Ruhetages. Aus geistlicher Sicht ist dies ein Tag um Gottes Gegenwart gegenüber gegenwärtig zu sein, zusammen zu kommen mit anderen Glaubenden und anzubeten.

Gleichzeitig wohnt dem Sabbat eine revolutionäre gesellschaftspolitische Sprengkraft inne. Denn der Ruhetag ist für alle Menschen aller sozialer Schichten und sogar für die Tiere da. Die Unterschiede werden somit nivelliert, es waren ursprünglich sogar in der altorientalischen Kultur die Sklavinnen und Sklaven mit eingeschlossen. Damit wird das Sabbatgebot zu einem Instrument des geistlichen, gesellschaftlichen und ökologischen Friedens.

Die Einrichtung eines freien Tages in der Woche für alle kann Auswirkungen auf unser Konsumverhalten, Tierhaltung, ArbeitnehmerInnenrechte und den gesellschaftlichen Frieden haben.

Jesus wollte den Sabbat wieder in seine ursprüngliche Absicht verwandeln, indem die Einhaltung des Sabbats eine Hilfe für den Menschen, die Gesellschaft und die Natur ist, kein kleinkariertes Regelwerk.

Der Sabbat wird in Ex 20 schöpfungstheologisch begründet. Der Ruhetag war der erste, den die ersten menschen vollständig erlebten. Sie durften also einfach sein, sich geliebt und gewollt wissen, weil sie sind, nicht weil sie etwas geschafft, produziert oder verdient haben. Aus der Ruhe in Gott, in Christus, dürfen wir handeln. Sie ist uns gegeben, geschenkt, ohne dass wir uns dahin erst vorarbeiten müssten. Das zeigt die Reihenfolge der Schöpfungstage. Darin wird deutlich, dass der Mensch an Gottes Ruhe teilnehmen darf und von dort aus tätig wird.

Fragen für die Zellgruppen:

1. Wie geht es dir zur Zeit mit dem Rhythmus von "Hören" und "Tun", den Ruhetag beachten und arbeiten?

2. Was denkst du, wie ließe sich eine Sabbat-Spiritualität in unsere Kultur einfügen?

3. Falls du der gesellschaftspolitischen Komponente des Sabbats zustimmst: Welche Schritte könntet ihr als Gruppe gehen um sich für ArbeitnehmerInnen-Rechte, artgerechte Tierhaltung und Gleichbehandlung von verschiedenen sozialen Schichten einzusetzen?

Dateianhang